Juli 2015

Band 30, Nummer 7

Erste Worte - Der Weg zu Windows 10

Von Keith Boyd | Juli 2015

Im Jahr 2001 erhielt ich meine ersten Microsoft-Auszeichnungen "Ship It" für Internet Explorer (IE) 6 und Windows XP. Die erste Reaktion auf Windows XP ist in der Rückschau belustigend. Kritiker waren angesichts der neuen "Aero"-Benutzeroberfläche entsetzt und sagten den Untergang der ersten Windows-Version voraus, die mit einem kombinierten Windows 9x- und NT-Kernel ausgestattet war. Einige Monate lang liegen die Verkäufe schleppend, und Microsoft stockte der Atem. Das kollektive Aufatmen fand erst statt, als Verbraucher und Unternehmen Windows XP zu einem Riesenerfolg machten.

Natürlich gab es dabei Probleme – die Anzahl der Sicherheitslücken in Windows XP zwang das gesamte Unternehmen zum Innehalten und führte zu monatelangen Arbeiten an einer "Sicherheitsinitiative". Bis heute finden sich überall bei Microsoft Exemplare von "Writing Secure Code" von David LeBlanc. In Windows XP mag es vor Sicherheitslücken gewimmelt haben. Das Produkt wurde jedoch im weiteren Verlauf verbessert und optimiert und bleibt bis heute eines der beliebtesten Produkte in der Geschichte von Microsoft. Zu Beginn des Windows Vista-Projekts war Microsoft das Glück noch hold.

Am Anfang der Entwicklung von Windows Vista wurde das IE-Team aufgelöst und durch ein neues Team ersetzt, dessen Aufgabe das Erstellen einer modernen Plattform mit verbundenen Clients war. Das "Avalon"-Team (in dem ich Mitglied war) erstellte die verwaltete Anwendungsplattform, die unter dem Namen Windows Presentation Foundation (WPF) bekannt ist. Trotzt der unzähligen Fehltritte des Vista-Projekts war ich fest davon überzeugt, dass WPF als Plattform Microsoft Vorteile verschaffen konnte.

Die Schwierigkeiten von Windows Vista sind jedenfalls gut dokumentiert. Die Auslieferung erfolgte schließlich fünfeinhalb Jahre später. Zwar begeisterten WPF und andere neue Technologien zu Recht, Windows Vista konnte die Aufwärtsspirale jedoch nicht in Schwung bringen, die die PC-Branche bei früheren Versionen erfasst hatte. Es war der erste wirkliche Misserfolg seit langer Zeit.

Jetzt kommt Steven Sinofsky ins Spiel.

Ähnlich wie die "Star Trek"-Filme war Windows mit jeder zweiten Version erfolgreich. Sinofsky wollte diesen Kreislauf beenden, indem er ein neues Vertrauen eine neue Kultur im Windows-Team bestärkte, und unter seiner Führung wurde das weithin anerkannte – und sogar beliebte – Windows 7 entwickelt. Analog zu den "Star Trek"-Erfolgen holte dieses gleiche Führungsteam ähnlich dem früheren Windows-Verwaltungsteam, das die NT- und 9x-Kernel in nur 18 Monaten kombinierte, zu einem Erfolgsschlag aus – und entwickelte Windows 8.

Wie Windows Vista ging auch Windows 8 mit Schwierigkeiten an den Start. Das Produkt selbst wurde jedoch mit Windows 8.1 deutlich verbessert. Tatsächlich sollte jeder Benutzer einer frühen Version von Windows 8, der die neue "moderne" Benutzeroberfläche nicht mochte, Windows 8.1 eine Chance geben. Auch auf Computern ohne Toucheingabe ist die Verwendung von und Navigation in Windows 8.1 einfach. Die neue App-Plattform hat Fahrt aufgenommen, und täglich werden dem Windows Store faszinierende Apps und Spiele hinzugefügt. Der Start war vielleicht langsam, aber mit Windows 8.1 ist Windows erneut auf dem richtigen Weg.

Beeindruckend auch, wie Terry Myerson, Michael Fortin, Joe Belfiore und das restliche Microsoft Operating System Group-Führungsteam ihre Chance mit Windows 10 ergriffen haben. Ich verwende jetzt seit mehreren Monaten eine frühe Betaversion und liebe sie. Alle Eingabemöglichkeiten (von Toucheingabe über Spracheingabe, Maus und Tastatur) fühlen sich vollkommen natürlich und intuitiv an. Die "modernen" Konzepte, die mit Windows 8 eingeführt wurden, sind jetzt nahtlos in das Betriebssystem integriert. Die Perfektion ist selbst in meiner frühen Version erstaunlich. Die Stabilität war mit sehr wenigen Ausnahmen ausgezeichnet. Viele Benutzer erleben Windows 10 nach der Phase "Build and Ignite" erstmals, und ich vermute, ihre Reaktion ist ähnlich wie meine: Wow. Windows ist wieder da. Auch wenn ich nicht mehr Mitglied des Teams bin, könnte ich nicht stolzer sein.

Wenn meine "Star Trek"-Analogie zutrifft, dann entspricht Windows 2000 "Star Trek: Der Film" – bahnbrechend, aber langweilig. Windows XP ähnelt dem fantastischen "Der Zorn des Khan". Windows Vista gleicht dem Film "Die Suche nach Spock", der in "Die Suche nach Relevanz" umbenannt werden könnte. Windows 7 gleicht "Zurück in die Gegenwart". Mit dieser Version sind wir zu den Grundlagen von Windows zurückgekehrt. Hoffentlich entspricht Windows 8 nicht "Am Rande des Universums", auch wenn die Reaktionen einiger Kritiker ähnlich waren.

Was bedeutet dies für Windows 10? Vielleicht war der Titel "Das unentdeckte Land" des letzte Films mit der ursprünglichen "Star Trek"-Besatzung angemessen. Das war nicht unbedingt mein "Star Trek"-Lieblingsfilm, aber er war solide, nostalgisch und mit einigen Überraschungen gespickt. Ich glaube jedoch, dass Sie von Windows 10 viel mehr erwarten können. Aufgrund der zahlreichen Änderungen in der aktuellsten Version von Windows kann diese als vollständige Version betrachtet werden. Neustart im Abrams-Stil. Ja, wirklich so gut.


Keith Boyd* leitet das Entwicklerdokumentationsteam im Bereich Cloud and Enterprise (C&E) bei Microsoft. In dieser Funktion überwacht er die redaktionelle Strategie für MSDN Magazine. Vor seinem Einsatz für C&E im Jahr 2013 hat er die gleiche Funktion für Windows ausgeübt. Wenn er nicht arbeitet, verbringt er Zeit mit seiner Familie – Ehefrau Leslie und den drei Söhnen Aiden, Riley und Drew.*