Übung: Schätzen der Kosten mit dem Azure-Preisrechner

Stellen Sie sich vor, Sie sollen ein System in Azure erstellen und eine Schätzung der Kosten erstellen, die für dessen Ausführung in den nächsten 12 Monaten anfallen. Sie wissen bereits, dass die Azure-Preise vollständig transparent sind und Ihnen monatlich nur die Dienste in Rechnung gestellt werden, die Sie tatsächlich verwenden. Wie würden Sie zu dieser Schätzung gelangen, ohne diese Dienste bereitzustellen und auszuführen bzw. ohne die Preise für die einzelnen Dienste anhand der Seiten mit den Preisen der Azure-Dienste manuell herauszusuchen?

Einführung in den Azure-Preisrechner

Um Kunden eine einfache Erstellung von Schätzungen zu ermöglichen, hat Microsoft den Azure-Preisrechner entwickelt. Der Azure-Preisrechner ist ein kostenloses, webbasiertes Tool, in das Sie die Details von Azure-Diensten eingeben und Eigenschaften und mit dem Sie Eigenschaften und Optionen der Dienste ändern können. Als Ergebnis erhalten Sie die Kosten pro Dienst und die Gesamtkosten für die Gesamtschätzung.

Die Optionen, die Sie im Preisrechner konfigurieren können, variieren von Produkt zu Produkt, aber die grundlegenden Konfigurationsoptionen lauten:

Option Beschreibung
Region Hier werden die Regionen aufgelistet, über die Sie ein Produkt bereitstellen können. „Asien, Südosten“, „Kanada, Mitte“, „USA, Westen“ und „Europa, Norden“ sind mögliche Regionen für einige Ressourcen.
Tarif Dient zum Festlegen des Tarifs, den Sie einer ausgewählten Ressource zuordnen möchten, z.B. Free, Basic usw.
Abrechnungsoptionen Hier werden die Abrechnungsoptionen angezeigt, die für ein gewähltes Produkt für bestimmte Kunden- und Abonnementtypen verfügbar sind.
Supportoptionen Hier können Sie für ein gewähltes Produkt unter Supportoptionen wählen, die im Preis enthalten oder kostenpflichtig sind.
Programme und Angebote Hier können Sie je nach Kunden- oder Abonnementtyp unter den verfügbaren Preisangeboten wählen.
Preise für Azure Dev/Test Hier sind für ein Produkt die verfügbaren Preise für Entwicklung und Tests (Dev/Test) angegeben. Dev/Test-Preise gelten nur, wenn Sie Ressourcen in einem Azure-Abonnement ausführen, das auf einem Dev/Test-Angebot basiert.

Ausprobieren des Azure-Preisrechners

Wechseln Sie in einem anderen Browserfenster oder in einer anderen Browserregisterkarte zum Azure-Preisrechner. Auf der Seite des Preisrechners werden mehrere Registerkarten angezeigt:

  1. Produkte: Auf dieser Registerkarte führen Sie den Großteil Ihrer Aufgaben aus. Diese Registerkarte zeigt alle Azure-Dienste an. Sie können hier Dienste hinzufügen oder entfernen, um Ihre Schätzung zu erstellen.
  2. Beispielszenarien: Diese Registerkarte enthält mehrere Beispiele für die Infrastruktur, die an gängigen cloudbasierten Lösungen beteiligt ist. Sie können alle Komponenten des gesamten Szenarios hinzufügen, um die Kosten zu schätzen.
  3. Schätzungen: Diese Registerkarte enthält alle zuvor gespeicherten Schätzungen. Auf diesen Vorgang gehen wir in Kürze ein.
  4. HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN: Wie der Name schon sagt, werden auf dieser Registerkarte häufig gestellten Fragen beantwortet.

Beginnen wir mit der Registerkarte Produkte. Auf der linken Seite sehen Sie die vollständige Liste der Dienstkategorien. Durch Klicken auf eine der Kategorien werden die Dienste in der jeweiligen Kategorie angezeigt. Es gibt auch ein Suchfeld, in dem Sie in allen Diensten nach dem jeweiligen Dienst suchen können. Durch Klicken auf den Dienst wird er Ihrer Schätzung hinzugefügt. Sie können beliebig viele Dienste oder auch denselben Dienst mehrmals hinzufügen (z.B. mehrere virtuelle Computer).

Nachdem Sie die Dienste hinzugefügt haben, sollten Sie die Preise ermitteln. Wenn Sie auf der Seite nach unten scrollen, werden anpassbare Details für diesen Dienst angezeigt, die für die Preise gelten. Bei virtuellen Computern können Sie z.B. Details wie Region, Betriebssystem und Instanzgröße auswählen, die sich alle auf die Preise für die VM auswirken. Eine Zwischensumme wird für den Dienst angezeigt. Wenn Sie weiter nach unten scrollen, wird die Gesamtsumme für alle Dienste angezeigt, die in der Schätzung enthalten sind. Neben dem Gesamtbetrag sind Schaltflächen zum Exportieren, Speichern und Freigeben der Schätzung zu sehen.

Kostenschätzung für eine Lösung

Ausgehend vom ursprünglichen Szenario wird nun angenommen, dass dieses System auf zwei virtuellen Azure-Computern ausgeführt wird und eine Verbindung mit einer Azure SQL-Datenbank-Instanz hergestellt wird. Es soll außerdem ein Layer 7-Lastenausgleich eingerichtet werden, um sicherzustellen, dass die erweiterten Lastenausgleichsfunktionen zur Verfügung stehen. Die folgende Abbildung zeigt ein Anwendungsgateway, das mit zwei virtuellen Computern verbunden ist. Diese sind wiederum mit einer einzelnen Azure SQL-Datenbank-Instanz verbunden.

Illustration mit einer Architektur, die zur beispielhaften Kostenschätzung verwendet wird.

Mithilfe des Azure-Preisrechners können Sie die Höhe der Kosten für eine Lösung ermitteln und die Schätzung zur Freigabe für das Team exportieren. Auf der Registerkarte Beispielszenarien können Sie alle Ressourcen hinzufügen, die an einer gängigen Lösung des zu behebenden Problems beteiligt sind, um alle potenziellen Kosten einzuschätzen. Sie können auch einzelne Produkte aus der Registerkarte Produkte hinzufügen, um eine Schätzung für Ihre benutzerdefinierte Lösung zu erstellen.

Tipp

Stellen Sie sicher, dass der Preisrechner noch keine Angaben und die Schätzung keine Einträge enthält. Klicken Sie andernfalls auf das Papierkorbsymbol für die einzelnen Elemente, um die Schätzung zurückzusetzen.

Fügen Sie im Azure-Preisrechner auf der Registerkarte Produkte die folgenden Dienste zur Schätzung hinzu, indem Sie auf diese klicken:

  • Microsoft Azure Virtual Machines in der Kategorie „Compute“
  • Azure SQL-Datenbank in der Kategorie „Datenbanken“
  • Application Gateway in der die Kategorie „Netzwerk“

Die Details der einzelnen Elemente können auf der Registerkarte Schätzungen konfiguriert werden. Dadurch erhalten Sie eine solide Schätzung der Kosten. Verwenden Sie für alle Ressourcen die Region USA, Westen.

  • VMs: Da es sich bei dem Projekt um eine ASP.NET-Anwendung handelt, muss eine VM mit Windows-Betriebssystem eingesetzt werden. Diese Anwendung erfordert keine enorme Computeleistung, weshalb Sie als Instanzgröße D2 v3 auswählen können. Es werden zwei virtuelle Computer benötigt, die durchgehend ausgeführt werden (730 Stunden pro Monat). Für diese VMs wird Storage Standard (SSD) verwendet, und für insgesamt zwei Datenträger ist nur ein Datenträger pro VM der Größe E10 erforderlich.

  • SQL-Datenbank: Für die Datenbank wird ein Einzeldatenbanktyp mithilfe des Modells auf Basis von virtuellen Kernen bereitgestellt. Eine Gen 5-Datenbank mit acht virtuellen Kernen soll im Tarif „Universell“ erstellt werden. Benötigt werden 32 GB Speicher.

  • Application Gateway: Für Application Gateway wird die Web Application Firewall-Ebene verwendet, damit wir unserer Umgebung einen gewissen Grad an Schutz bieten können. Es werden nur zwei Instanzen mittlerer Größe verwendet, da die Last nicht hoch ausfallen wird. Monatlich werden voraussichtlich 1 TB an Daten verarbeitet. In Europa (Zone 1) werden vermutlich keine Daten verarbeitet.

In Ihrer Schätzung sollte eine Kostenübersicht für die einzelnen Dienste, die Sie hinzugefügt haben, und ein Gesamtbetrag für die Schätzung angezeigt werden. Wenn Sie möchten, können Sie einige der Optionen anpassen, um zu sehen, wie sich der Schätzbetrag erhöht oder verringert. Konzentrieren Sie sich dabei vor allem auf den Standort für Ihre Ressourcen.

Tipp

Wenn Sie über Ressourcen verfügen, die nicht standortgebunden sind, können Sie Ihre Kosten deutlich reduzieren, indem Sie sie in kostengünstigere Regionen verschieben. Mithilfe des Preisrechners können Sie den kosteneffizientesten Standort für Ihre Dienste ermitteln.

Freigeben und Speichern der Schätzung

Nun haben Sie eine Schätzung für Ihre Lösung erstellt. Sie können diese Schätzung speichern und dadurch später bei Bedarf anpassen. Des Weiteren können Sie sie in Excel exportieren, um sie weiter zu analysieren oder über eine URL freizugeben.

Klicken Sie unten in der Schätzung auf Export, um die Schätzung zu exportieren. Durch den Export wird Ihre Schätzung im Excel-Format (XLSX) heruntergeladen und umfasst alle Dienste, die Sie Ihrer Schätzung hinzugefügt haben.

Sie können die Excel-Arbeitsmappe entweder freigeben oder im Rechner auf die Schaltfläche Share klicken. Hierdurch wird eine URL erstellt, über die Sie diese Schätzung freigeben können. Jeder Benutzer mit diesem Link kann dann darauf zugreifen, was eine unkomplizierte Freigabe innerhalb Ihres Teams ermöglicht.

Wenn Sie sich mit Ihrem Azure-Konto angemeldet haben, können Sie die Schätzung speichern und zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurückgreifen. Fahren Sie fort, indem Sie auf die Schaltfläche Speichern klicken. Wenn Sie angemeldet sind, sollten Sie eine Benachrichtigung sehen, dass Ihre Schätzung gespeichert wurde. Wenn Sie nicht angemeldet sind, wird eine Meldung angezeigt, in der Sie aufgefordert werden, sich zum Speichern Ihrer Schätzung anzumelden. Nachdem Sie die Schätzung gespeichert haben, scrollen Sie wieder zum Anfang der Seite und wählen die Registerkarte Schätzungen aus. Hier wird Ihre Schätzung angezeigt. Sie können sie dann wieder öffnen oder löschen, wenn Sie sie nicht mehr benötigen.

Ohne Geld ausgeben zu müssen, haben Sie für eine Reihe von Azure-Diensten eine Kostenschätzung erstellt. Ohne etwas zu erstellen verfügen Sie nun über eine vollständige Schätzung, die weitergegeben werden kann und die wir weiter analysieren oder an der wir zu einem späteren Zeitpunkt Änderungen vornehmen können. Damit können Sie nicht nur Schätzungen für Systeme erstellen, bei denen Sie die jeweiligen Dienste kennen, die Sie verwenden möchten, sondern auch vergleichen können, wie sich verschiedene Dienste auf Ihrer Gesamtkosten auswirken könnten. Ein Beispiel ist Microsoft SQL Server auf einer VM im Vergleich zu Azure SQL-Datenbank.

Überprüfen Sie Ihr Wissen

1.

Auf welcher Registerkarte des Azure-Preisrechners erstellen Sie Ihre Schätzung?

2.

Richtig oder falsch: Sie können Ihre Schätzung per Excel-Arbeitsblatt oder URL für andere Benutzer bereitstellen.