Übersicht über QoS (Quality of Service)

 

Letztes Änderungsdatum des Themas: 2012-10-17

Die Servicequalität (Quality of Service, QoS) im Zusammenhang mit synchronem Datenverkehr wie Audio oder Video kann durch Verzögerungen, Jitter und Paketverluste im IP-Netzwerk beeinträchtigt werden. Microsoft Lync Server 2010 wurde zwar nicht für die Zusammenarbeit mit QoS-Infrastrukturen konzipiert, kann aber in IP-Netzwerken mit QoS über differenzierte Dienste (Differentiated Services, DiffServ) bereitgestellt werden. Zur Unterstützung der QoS-Umgebung werden Endgeräte so konfiguriert, dass der IP-Datenverkehr, der Echtzeitaudiodaten- und -videodaten enthält, entsprechend allgemein eingeführter Dienstklassen markiert wird. Diese Klassen sollen den Datenverkehr der Echtzeitkommunikation vor anderem asynchronen Datenverkehr im IP-Netzwerk, wie Sofortnachrichten, Anwendungsfreigabedaten und Dateidownloads, schützen. Die Markierung kann geändert werden, sodass diese gemäß den Anforderungen eines Unternehmens den einzelnen Dienstklassen zugewiesen werden.

Ein für differenzierte Dienste (DiffServ) aktiviertes Netzwerk stellt anhand der DSCP-Markierung (Differentiated Services Code Point) der IP-Pakete eine Priorisierung auf Klassenebene bereit. Jeder DSCP-Wert entspricht einer Dienstklasse für die Weiterleitung der Pakete vom Sender oder zwischengelagerten Router zum nächsten Router oder Empfänger im Netzwerk. Das Weiterleitungsverhalten kann mithilfe verschiedener Techniken implementiert werden, beispielsweise durch Abfragen der Priorität, Weighted-Fair-Queuing (gewichtetes faires Einreihen) oder konventionelle Leaky-Bucket-basierte Techniken. Für die Übermittlung von Audio- und Videomedienströmen relevante Klassen sind die EF (Expedited Forwarding)- und AF (Assured Forwarding)-Klassen. Ausführliche Informationen zum Type of Service-Byte finden Sie in IETF RFC 2474.

In Lync Server 2010 kann die DSCP-Markierung mit dem richtlinienbasierten QoS von Windows aktiviert werden, sodass Portbereiche für die einzelnen Kommunikationstypen angegeben werden können. Für Betriebssysteme, die richtlinienbasierten QoS nicht unterstützen, können Sie die DSCP-Markierungsrichtlinie in Lync Server verwenden. Standardmäßig sind richtlinienbasierter QoS und DSCP-Markierung deaktiviert.

Die markierten Pakete können dann von Netzwerkentitäten (Endsysteme und Router) erkannt werden, damit der Mediendatenverkehr den QoS-Prioritäten entsprechend verwaltet werden kann. Die QoS-Markierung gilt für alle Medienports und ist unabhängig davon, ob der Datenverkehr für Audio/Video/Anwendungsfreigabe/Dateiübertragung über das Protokoll RTP (Real-Time-Protokoll, siehe IETF RFC 3350) oder SRTP (Secure Real Time Protocol, siehe IETF RFC 3711) übertragen wird.

In Windows Server 2008 R2, Windows Server 2008, Windows 7 und Windows Vista gibt es eine neue Methode zum Konfigurieren von QoS-Profilen, die als richtlinienbasierter QoS bezeichnet wird. Mit richtlinienbasiertem QoS können Sie QoS-Richtlinien in einem Gruppenrichtlinienobjekt konfigurieren. Sie können Gruppenrichtlinienobjekte erstellen, mit denen Netzwerkdatenverkehr priorisiert oder die Bandbreite von Netzwerkdatenverkehr basierend auf dem lokalen Anwendungsnamen, den Remote-IP-Adressen, den lokalen Ports bzw. Remoteports sowie dem Protokolltyp (UDP/TCP) verwaltet wird. Darüber hinaus können Sie ein Gruppenrichtlinienobjekt einem Benutzer, einer Gruppe oder einem Computer zuweisen. Ausführliche Informationen zum richtlinienbasierten QoS finden Sie unter "Richtlinienbasierter QoS (Quality of Service) (Übersicht)" auf der Webseite http://go.microsoft.com/fwlink/?linkid=206005&clcid=0x407.

QoS kann für die folgenden Dienste, Serverrollen und Anwendungen von Lync aktiviert werden:

  • A/V-Konferenzdienst

  • A/V-Konferenzserver

  • A/V-Edgedienst

  • Anwendungsfreigabedienst

  • Vermittlungsserver

  • Reaktionsgruppenanwendung

  • Konferenzankündigungsdienst

  • Anwendungen basierend auf Unified Communications Managed API (UCMA)

QoS kann außerdem für die folgenden Lync-Clients aktiviert werden. Für richtlinienbasierten QoS muss der Client unter dem Betriebssystem Windows 7 oder Windows Vista ausgeführt werden:

  • Microsoft Lync 2010

  • Microsoft Lync 2010 Attendant

  • Microsoft Lync 2010 Phone Edition

Führen Sie zum Aktivieren von QoS die folgenden Aufgaben aus:

  1. Tragen Sie Informationen für die Planung zusammen. Geben Sie einen nicht überlappenden Portbereich für die folgenden Kommunikationstypen an, für die Sie QoS aktivieren möchten: Audio, Video, Anwendungsfreigabe und Dateiübertragung. Standardmäßig überlappen diese Portbereiche in Lync Server nicht, jedoch auf dem Lync-Client.

  2. Konfigurieren Sie diese Portbereiche auf den Servern und Clients, wo diese verwendet werden.

  3. Erstellen Sie für alle Dienste, Serverrollen, Anwendungen und Clients, für die Sie QoS aktivieren möchten, ein Gruppenrichtlinienobjekt, das den Kommunikationstyp einem Portbereich zuordnet und jedem Kommunikationstyp eine Priorität zuweist.

  4. Weisen Sie jedes Gruppenrichtlinienobjekt den entsprechenden Diensten, Serverrollen, Anwendungen und Clients zu.

noteHinweis:
Für Clients, die unter anderen Betriebssystemen als Windows 7 und Windows Vista ausgeführt werden, wird richtlinienbasierter QoS nicht unterstützt. QoS können Sie verwenden, wenn Sie die DSCP-Markierungsrichtlinie von Lync Server wie weiter unten beschrieben bearbeiten.

In den Themen in diesem Abschnitt werden diese Aufgaben ausführlich erläutert.