Sind neue Smartphones eigentlich noch innovativ?

Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Seit das iPhone auf dem Markt ist, scheint es keine wesentlichen Design-Innovation mehr bei Smartphones gegeben zu haben. Fast jedes aktuelle Gerät besteht aus einem mehr oder weniger großen Touch-Display und möglichst wenig Hardware-Tasten. Scheinbar hat Apple im Jahr 2007 alles richtig gemacht in Sachen Smartphone-Optik.

Dieser vermeintliche Stillstand sagt aber nichts aus über den Ort, wo es seither laufend Neues und echten Fortschritt gab: Im Inneren der Geräte, sowohl auf der Ebene der Hardware- wie der Software. Hier versuchen sich die Hersteller an möglichen Neuerungen, probieren Features aus und testen Alternativen zu etablierten Systemen. Nicht immer ist das von Erfolg gekrönt, Mozilla etwa hat sein FirefoxOS für mobile Systeme inzwischen wieder eingestellt. Auch das Thema mobiles Fernsehen hat sich trotz massiver Werbekampagnen nie wirklich durchsetzen können – oder haben Sie schon mal DVB-H im Einsatz erlebt? Andere Features oder Bedienelemente – etwa App-Stores oder Zoom-Gesten – sind inzwischen so tief im Erbgut aller Systeme verankert, dass man sie nicht mehr wegzudenken sind.

Wo also kommt die nächste Innovation im mobilen Bereich her? Es liegt nahe, dass die immer stärkere Rechenleistung mobiler Endgeräte eine kritische Rolle spielen wird. Aktuelle Smartphones haben eine unglaubliche Rechenkapazität: Quad- oder Octa-Core-Prozessoren mit mehreren Gigahertz Taktfrequenz sind keine Seltenheit, ebenso wie mehrere Gigabyte Arbeitsspeicher oder die Unterstützung für Terabyte große Speicherkarten. Sieht man sich nur die technischen Spezifikationen an, erinnern aktuelle mobile Geräte eher an Laptops als an Telefone.

Es liegt also nahe, dass der nächste Schritt in Richtung Notebook-Ersatz geht. Wie wäre es etwa, wenn die Rechenleistung der Smartphones in einem PC-Einsatzszenario genutzt werden kann? Das hat Motorola bereits mit dem Atrix versucht – allerdings mit wenig Erfolg. Microsoft greift diese Idee mit dem Thema Continuum und Windows 10 wieder auf; ich würde gerne weitere Projekte dieser Art nennen. Außer Continuum gibt es aber derzeit nichts Vergleichbares. Die neue Funktion kombiniert ein Smartphone mit einem Dock, an dem Tastatur, Maus und Monitor angeschlossen werden. Als Nutzer schließt man sein Lumia-Smartphone am sogenannten Display Dock an und Continuum wird aktiv.

Continuum im Einsatz auf Lumia 950

Nutzern können anschließend die Office-Anwendungen und andere, an Continuum angepasste Apps wie an einem herkömmlichen PC nutzen (siehe Foto). Das ist schon allein von daher schlau, da alle im beruflichen Alltag benötigten Informationen ohnehin im Smartphone gespeichert sind. Am Einsatzort angekommen, kann der Anwender ohne stationären PC weiterarbeiten – er benötigt lediglich ein Display und ein Continuum-fähiges Display Dock.

Was ist der nächste Schritt?

Die Continuum-Funktion ist ein sehr ordentlicher Start – allerdings auch erst der Beginn. Aktuell bieten die Modelle Lumia 950, die Dual-SIM-Variante des 950 und das Lumia 950 XL die Funktion und auch die App-Entwickler beginnen erst nach und nach, ihre Anwendungen an Continuum anzupassen.

Wenngleich das im Business-Umfeld keine weitreichende Einschränkung ist, da mit den Office-Apps, Skype oder dem Browser Edge diverse Anwendungsfälle schon heute Continuum-tauglich abgedeckt sind. Und wer sich um die Datensicherheit Gedanken macht, wenn er an fremden Einsatzorten arbeitet: Windows Phone hat einen integrierten VPN-Client.

Was halten Sie von Continuum? Ist die Funktion bereits ausreichend, damit Sie Ihren Desktop oder Ihr Notebook aufgeben und stattdessen nur noch Ihr Smartphone nutzen?